Kein Mobbing auf dem Buff-Feel

Letzten Montag habe ich zusammen mit meiner Mutter bei Oma am reichlich gedeckten Frühstückstisch gesessen. Ein zierliches Brotkörbchen mit Platz für maximal fünf Backwaren ist mit insgesamt zwölf Teilen mächtig überladen, damit bloß keiner auf seine Favoriten verzichten muss. Oma hat gerne Mohn und Sesam, deren Körner einem dann noch den ganzen Tag, beim Blick in den Spiegel zwischen den Zähnen zuwinken. Mama mag Croissants und ich liebe es herzhaftes Laugengebäck mit etwas Süßem zu vereinen. Die Palette zum Belegen ist bunt. Zur Auswahl stehen Käse in Scheiben, als Dreiecke zum schmieren und als kleine Frischkäserollen ummantelt mit Kräutern oder würziger Paprika. Ein Glas Honig, ein Glas Marmelade und außen rum Oma’s “gutes” Geschirr, inklusive ihrer selbst bemalten Hühner-Eierbecher. In diese Becher hüpfen aus einer scheinbar nie versiegenden Quelle die Frühstückseier, sobald man eins verzehrt hat. Wie macht die Oma das?

Die Kaffeekanne auf dem kleinen Stövchen im Zentrum des Allerlei verbreitet etwas heimeliges. Oma’s Kaffeemaschine ist älter als ich. Schmunzelnd erinnere ich mich an meine erste Unterrichtsstunde von Oma, wie ich die von Opa Franz zu groß gekauften Filtertüten falten kann, damit sie für fast jedes Filterformat verwendet werden können. Opa hat einen Rüffel gekriegt und mir schelmisch diesen unvergesslichen Blick zugeworfen. Dann musste ich aufpassen, dass der Kaffee nicht auch noch zu stark wird und Omas Blut noch mehr in Wallung bringt. Meine Großeltern-Enkel-Quality-Time war fantastisch und urkomisch!

Und heute ist es nicht anders. Unzählige Eier und viele Jahrzehnte werden zusammen mit zwölf Brötchen von drei Generationen an einem Tisch geteilt. Das einzige was auf einmal nicht mehr geteilt wird, ist die Erdbeermarmelade. Mama greift nach dem Glas und parkt es mühsam backbord von ihrem Teller zwischen Ei, Butter und meinem Kaffeeuntersetzer ein. Wären Frühstückszutaten mit Einparkhilfen ausgestattet, hätte das Alarmsystem bei diesem Manöver längst laut um Hilfe geschrien. Nachdem endlich das Runde ins Eckige verfrachtet ist, greift Mama in den Brotkorb und ich nach der Parkmarmelade… äh Erdbeermarmelade. “Hey!”, beschwert sich Mama. “Die wollte ich jetzt haben!” Ich klatsche eine Portion auf mein Laugenbrötchen und verliere dabei überraschend die Beute an meine Oma, die mir lauernd gegenüber sitzt. Alle drei prusten wir vor Lachen. “Das ist Mobbing!”, protestiert meine Mutter. Darauf kontert Oma pfiffig: “Also wenn du dich gemobbt fühlst, dann bist du es wohl. Ich fühle mich ja nie gemobbt!”

Ein so weiser Satz versteckt im Frühstücksgetummel. Große Lehrer heißen nicht immer Dalai Lama oder Buddha. Sie heißen manchmal einfach Oma und leben nicht im Exil von Dharamsala, sondern in einem kleinen Weinort an der Mosel und kochen immer die Eier zu hart und zu viel.

Es ist nicht unbedingt notwendig tausende Kilometer zurückzulegen um einen Meister zu treffen, der uns endlich den richtigen Weg zeigt. Vielleicht sitzt der Meister uns gerade gegenüber und mampft ein Marmeladenbrötchen. Es gibt unglaublich inspirierende Bücher die weltweit Billies und e-Reader füllen. Immer passende Kalendersprüche lassen uns zustimmend nicken.

Meiner Ansicht nach, ist die Wahrheit am lebendigsten, wenn ein Mensch sie uns ganz frisch zubereitet zum Frühstück serviert und damit in uns ein Gefühl auslösen. Lasst uns immer neugierig wie Kinder mit offenen Herzen und gespitzten Ohren zum BufFEEL des Lebens hopsen! Wir entscheiden selbst, was uns wohl bekommt und was nicht.

Wenn uns der Zugriff auf Marmelade verwehrt ist, bleiben wir entweder im klebrigen Marmeladen-Mangel haften oder schöpfen aus der Fülle an noch nicht probierten Köstlichkeiten! Zum Beispiel veganer Selbstliebe-Aufstrich, Neuanfangs-Nuss-Mix oder fruchtiges Mut-Mousse. Alles da! Greift zu!

2 thoughts on “Kein Mobbing auf dem Buff-Feel

  1. Leni

    Welch toller Beitrag, macht sofort Lust auf Frühstück mit Oma , Mama und Enkelin.
    Zusammen sitzen und aus allen Generationen lernen, dass macht einfach Spaß!

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