Der Planschbeckentraum

Erlebt ihr auch manchmal Träume, die so überwältigend sind, dass sie sich anfühlen, als wären sie Wirklichkeit? Dieser eine Traum schleicht sich immer wieder in euren Schlaf und es scheint, er möchte dir irgendetwas mitteilen. Aber was? Und wie bedeutungsvoll kann es sein, schließlich ist es nur ein Traum?

Unsere Seele kann nicht zwischen Realität und Traum unterscheiden. Der Körper als sterbliche Hülle lebt in unserer Seele, die in jedem Augenblick mit allem was ist verbunden ist. In der Nacht, wenn unser Körper mit unserem Ego zur Ruhe kommt und sozusagen “den Kanal freimacht”, spricht unsere Seele in der Traumsprache zu uns. Wenn wir aufwachen und versuchen uns eine Botschaft der Traumbilder zusammen zu reimen, dann finden wir uns meist schnell in einem Irrgarten von selbst erfundenen Prophezeiungen wieder. Ungeduldig oder frustriert, weil wir plötzlich wach und wieder blind sind, bleibt unser Traum dann einfach doch wieder nur ein Traum. “Träume sind Schäume”, besänftigen wir uns.

Vergangene Woche hat ein Traum nahezu von mir Besitz ergriffen. Seine Wucht hat mich so heftig getroffen, dass ich mich morgens davon übergeben habe. Es ist kein besonders finsterer Traum gewesen. Lediglich die Energie darin war hoch dosiert.

Natürlich habe ich begonnen im Wachzustand eine Botschaft darin zu erkennen. Das hat viele Emotionen freigesetzt und am Ende zu keiner konkreten Erklärung geführt. Dennoch bin ich nach ein paar Tagen zu einer sehr wertvollen Erkenntnis gekommen, die ich mit euch teilen möchte.

Ob im Traum oder in der Wirklichkeit können sich Tore für uns öffnen. Wenn wir den Mut haben hindurch zu gehen und uns für den dahinter verborgen Pfad begeben, entdecken wir womöglich einen noch unbesuchten Ort. Antworten auf Fragen, die irgendwo im Unterbewusstsein verborgen sind, lassen sich auf Traumpfaden entüllen. Das Universum sprich zu uns. Jederzeit. Es kennt uns und findet immer einen Weg uns zum zuhören einzuladen.

Ich behaupte, dass Wahrheit für uns alle ein sehr wertvolles Gut ist. So sehr wir einzelnen Menschen uns in Persönlichkeit und äußerer Erscheinung voneinander unterscheiden, so sehr unterscheiden wir uns auch in der Wahrheit, die wir leben. Damit umzugehen ist nicht immer leicht, wie es gerade auf der ganzen Welt sichtbar wird.

Wie haben wir es geschafft, dass uns Wahrheit voneinander trennt, statt uns zu vereinen? Wir haben ganz einfach die “Lüge” erfunden. Die Lüge soll uns vor der Wahrheit schützen. Denn die Wahrheit kann schmerzen und genau das wollen wir vermeiden. Jedoch ist ein Leben ohne Schmerz nicht möglich. Wir wollen nicht akzeptieren, dass wir verletzbar sind. Das was wir Zivilisation oder Gesellschaft nennen gaukelt uns vor, wir seien nur wertvoll, wenn wir eine bestimmte Leistung bringen. Nur gute Noten machen was aus dir. Nur rasierte Beine, sind schöne Beine. Sei nicht so wild, sonst tust du dir noch weh. Psst… sei leise, die Leute gucken schon. Die guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Das Konzept der Lüge ist grenzenlos. Darum macht es uns wenig aus nun überall eine Maske zu tragen. Wir haben uns schon oft übertüncht. Nur eine weitere als Lüge getarnte Wahrheit in unserem Alltag, der wir uns hingeben.

Die Lüge ist eine selbstvernichtende Waffe. Als hätte der Wal die Harpune erfunden, mit der er gejagt, gepeingt und ermordet wird. Ja, das hört sich grausam an. Weil es genau das ist. Die all unsere Lebensbereiche durchdringenden Lügen, können uns entweder irgendwann vernichten oder wir erkennen, dass jede Lüge letztendlich reine Wahrheit ist. Die Lüge existiert eigentlich nicht. Wenn wir sie nicht erschaffen, dann ist sie nicht da.

Um zu begreifen welches Geheimnis in unseren Lügen verborgen liegt, müssen wir der Wal werden, die Harpune werden und der Jäger werden. Dann können wir verstehen, dass es doch eine Wahrheit gibt, die uns alle vereint. Die bedingungslose Liebe, die jeder von uns in sich trägt. Hinter all den Facetten unserer Lügen verbirgt sich unsere wahrhaftige Freiheit.

Als Wal kenne ich den Schmerz. Als Harpune die Angst. Und als Jäger, weiß ich, dass es keine Feinde gibt. Indem wir zuerst alles erlauben was in uns und unserem Nächsten nach Erfahrung sucht, werden wir wieder in der Lage sein, einen Kampf zu beenden, der nie ein Waffenlager hatte. In unseren Herzen ist Frieden die einzige Macht.

Von den Träumen, durchs Meer nun zurück ins Planschbecken unseres Alltags. Meistens sitzen wir nicht alleine in diesem aufblasbaren Swimmingpool. Es sind für gewöhnlich ein paar andere genauso unschuldige Nackedeis mit dabei. Wenn nun einer in unser Planschbecken pieselt haben wir verschiedene Reaktionsmöglichkeiten. Wir könnten mit dem Finger auf ihn zeigen und ihm helfen Scham zu entwickeln. Oder wir sagen nichts und und verbreiten in der Planschbecken-Gang eine Lüge über die Kontamination unseres Wohlfühlbereichs durch den anderen.

Als wir Kinder waren, hat jeder mal ins Planschbecken des anderen gepullert. Jeder von uns wusste es von dem anderen und es war total egal. Denn wir hatten eine geile Zeit. Nackt und glücklich haben wir uns ausgelassen amüsiert. Gerade weil nicht ständig einer raus auf Toilette musste und wir ununterbrochen Spaß hatten, bis wir schrumpelig waren.

Sich willkommen und geliebt fühlen, bedeutet sich nicht von ein bisschen Pippi im Planschbecken beunruhigen zu lassen. Sondern sich gegenseitig damit nass zuspritzen und sich später im großen Meer daran zu erinnern!

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